Noch Diebstahl oder schon Raub?

Raub

FAZIT

  • Einfacher Diebstahl ist nicht versichert!
  • Raub: Wegnahme infolge Anwendung von Gewalt, Androhung von Gewalt mit Gefahr für Leib und Leben oder aufgrund nicht vorhandener Widerstandskraft

Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit dem Auto in Urlaub. Unterwegs machen Sie Rast auf einem Parkplatz. Da Sie und Ihre Begleitung von der Fahrt etwas müde sind, werden die Sitze runtergekurbelt.

Da es schnell etwas stickig wird, kurbelt sie das Fenster einen Spalt breit runter. Ihre Begleitung hält ihre Handtasche mit den Armen umschlossen auf dem Schoß. Die Türen sind verschlossen. Schnell ist man eingeschlafen.

Es kommt, wie Sie vermuten: die Tasche wird von findigen Kriminellen gestohlen. Die nutzten nämlich den Fensterspalt, um die Verriegelung der Autotür zu öffnen und der schlafenden Frau die Handtasche wegzunehmen.

Wurde die Frau bestohlen oder beraubt?

Sie werden vielleicht jetzt denken, was macht das für einen Unterschied? Das Ergebnis bleibt doch gleich, die Tasche ist weg. Ja, aber im Rahmen der Außenversicherung könnten die entwendeten Sachen über die Hausratversicherung abgesichert sein…

 

RAUB, DIE FAKTEN

Ein Raub liegt vor, wenn

  • der Versicherungsnehmer mit Gewalt dazu gezwungen wird, seine Habseligkeiten auszuhändigen. Diese Gewalt muss mit körperlicher oder mechanischer Energie gegenüber dem Versicherungsnehmer ausgeübt werden. Heißt: wird der Fotoapparat vom Täter „nur“ aus der Hand gerissen, trifft der Begriff der Gewalt nicht zu. Es liegt ein sogenannter einfacher Diebstahl vor.
    Wehrt sich hingegen das Opfer massiv gegen die Wegnahme, so dass der Täter es tätlich angreift, um den Fotoapparat zu erlangen, liegt ein versicherter Raub vor.
  • dem Versicherungsnehmer Gewalt angedroht wird und damit eine Gefahr für Leib und Leben verbunden ist. Heißt: wird er mit einem Messer bedroht und gezwungen, seine Uhr rauszugeben, liegt ein Raub vor.
  • Sachen entwendet werden, während der Versicherungsnehmer unfähig zur Gegenwehr ist, sei es aufgrund eines Unfalls oder aufgrund einer sonstigen nicht verschuldeten Ursache, wie z.B. Ohnmacht oder Herzinfarkt.

 

Jegliche Wegnahme ohne Gewaltanwendung / -androhung gilt als einfacher Diebstahl bzw. Trickdiebstahl und ist nicht versichert. Außer natürlich bei einem Einbruchdiebstahl. Mehr dazu am Donnerstag…

 

AUFLÖSUNG

Das Amtsgericht Köln entschied (-> Urteil): die Frau im Auto wurde bestohlen. Der Täter hätte lediglich das Überraschungsmoment genutzt und die Handtasche weggenommen. Zwar hat er sie der Frau aus den Händen gezogen, allerdings hat er ihr gegenüber dafür keinerlei Gewalt anwenden oder androhen müssen. Ein versicherter Raub lag somit nicht vor. Das angerufene Landgericht Köln bestätigte das Urteil.

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