Gefälligkeitsschäden im Alltag

Gefälligkeitsschäden

Gestern morgen fuhr ich von meinem Parkplatz herunter und sah auf der Straße einen jungen Fahrer mit einem großen Auto stehen. Er versuchte, die gerade frei gewordene Parklücke auf der anderen Straßenseite zu entern.

Ich dachte beim Anrollen, na ja, das wird er ja wohl hinkriegen. Er mühte sich redlich, aber die Abmessungen seines Fahrzeuges waren stärker. Versuch 1, Versuch 2, …

Ein wenig (echt nur ein wenig;-) amüsiert, hielt ich neben ihm an und deutete ihm mit entsprechender Gestik, dass noch genügend Platz nach hinten sei. Er nahm meine Hilfe dankbar an, fuhr rückwärts und stoppte auf mein Geheiß. PRIIMAA. Paßt, wackelt und hat Luft.

Offensichtlich strahle ich genügend Verlässlichkeit und Sehvermögen aus, denn der Fahrer hat sich blind auf mich verlassen.

Berufspessimisten würden allerdings sagen: „Fremden Leuten würde ich nicht trauen, das hätte auch ins Auge gehen können…!“

Wer würde im Schadenfall haften? Der Fahrer oder am Ende ich?

 

GEFÄLLIGKEIT

Wenn ich für jemanden aus Hilfsbereitschaft oder Freundschaft etwas tue, erweise ich ihm einen Gefallen. Dieses Tun wird auch als Gefälligkeitshandlung bezeichnet. Fällt mir nun unabsichtlich eine Kiste mit Geschirr runter, muss der Umziehende dies hinnehmen und kann keine Ansprüche an mich als freiwilligen Helfer stellen.

Kommt ein Dritter durch mein Handeln zu Schaden, z.B. wenn ich mit einem sperrigen Gegenstand die Treppenhauswand beschädige, haftet mein umziehender Freund dafür (-> Urteil).

Handle ich grob fahrlässig oder sogar vorsätzlich, wenn ich z.B. ein Muster mit dem Gegenstand in die Treppenhauswand ritze, muss ich natürlich dafür aufkommen.

 

HAFTPFLICHT UND GEFÄLLIGKEITSSCHÄDEN

Spontan werden Sie an Ihre Haftpflicht denken…

ABER: Gefälligkeitsschäden sind standardmäßig nicht von der Privathaftpflicht gedeckt. Gehen wir der Reihe nach vor.

 

Punkt 1

Eine Haftpflichtversicherung ist dafür da, berechtigte Ansprüche auszugleichen und unberechtigte Forderungen abzuwehren. Sie kommt dann zum Tragen, wenn ich einem Dritten einen Schaden zufüge.

Punkt 2

Die Haftpflicht leistet bei leichter Fahrlässigkeit voll, bei grober Fahrlässigkeit im Verhältnis zur Schwere des Verschuldens und bei Vorsatz gar nichts.

Punkt 3

Jetzt kommt der Trick. Bei dem Beispiel mit dem Treppenhaus habe ich leichte Fahrlässigkeit meinerseits unterstellt. Dann müsste meine Versicherung doch für die Schäden gegenüber dem Hausbesitzer aufkommen!?

Nein, da es sich hierbei um eine Gefälligkeitsleistung für den Umziehenden handelt. Nach vorherrschender Gerichtsmeinung entspricht es dem normalen Rechtsgefühl, dass Personen, die uneigennützig (aus Gefälligkeit) helfen, nicht bei leichter Fahrlässigkeit haftbar gemacht werden können. Dieser Argumentation folgt auch die Haftpflicht.

Bricht sich diese Erkenntnis Bahn, ist schlechte Laune vorprogrammiert. Oft fühlt sich jedoch der Schädiger moralisch verpflichtet und zahlt den Schaden aus der eigenen Tasche, um das Verhältnis zu Verwandten, Freunden, Bekannten nicht zu belasten.

Punkt 4

Die gute Nachricht: Hilfe ist möglich. Zwischenzeitlich haben einige Versicherer die Position „Gefälligkeitsschäden“ in ihre Tarife aufgenommen. Meist ist die Entschädigungshöhe begrenzt, eine Selbstbeteiligung verlangt und die Einschränkung „wenn der VN es wünscht“ enthalten, aber immerhin leistet die Versicherung.

 

FAZIT

  • Der Fahrer des großen Mercedes müsste selbst für den Schaden aufkommen, wenn er auf ein parkendes Auto aufgefahren wäre. Ich habe ihm lediglich eine Gefälligkeit erwiesen und bin nicht haftbar.
  • Prüfen Sie Ihren Haftpflichtvertrag, ob Gefälligkeitsschäden abgesichert sind.

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