Formen der Selbstbeteiligung

Selbstbeteiligung

 

FAZIT

Die Vereinbarung einer Selbstbeteiligung

  • reduziert die Prämie.
  • kann anteilig oder mit festen Betrag vorgenommen werden.
  • steigert die Motivation des Versicherungsnehmers, Schäden zu vermeiden.

 

SELBSTBETEILIGUNG, EIN VERTRAUTES KONZEPT

Sie begegnet uns sowohl im Privat- als auch im Gewerbeversicherungsbereich, so z.B. in der Haftpflicht-, Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung. Oder auch in der Elektronik- und Maschinenversicherung, im KFZ-Kaskobereich sowie in der Krankenversicherung und Rechtsschutz-. Ich nehme an, fast jeder hat wenigstens einen Versicherungsvertrag mit Selbstbehalt.

Hat man im Vertrag eine Selbstbeteiligung vereinbart, trägt man im Schadenfall einen Teil der entstandenen Kosten selbst.

Welche vertraglichen Möglichkeiten es gibt, folgt jetzt.

 

FORMEN DER SELBSTBETEILIGUNG

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: einen prozentualen und einen festen Eigenanteil.

Prozentual

Der Versicherungsnehmer trägt einen bestimmten Prozentsatz eines jeden Schadens selbst. Beläuft sich die Schadenhöhe z.B. auf 8.000 € und im Vertrag sind 20% Eigenanteil vereinbart, erhält der Geschädigte einen Auszahlungsbetrag vom Versicherer in Höhe von 6.400 €.

Feststehend

Der Versicherungsnehmer hat in seinem Vertrag einen betragsmäßigen Selbstbehalt vereinbart, eine sog. Franchise. Es werden Abzugs- und Integralfranchise unterschieden.

Heißt:

  • Abzugsfranchise bedeutet, dass ein festgelegter Betrag von der Entschädigungsleistung im Schadenfall abgezogen wird. Dabei kann sich der Betrag entweder auf jeden Schadenfall (z.B. SB von 300 € je Vollkaskoschaden) oder auf die Summe aller Schäden im Versicherungsjahr (Krankenversicherung) beziehen.
  • Integralfranchise; es wird vertraglich eine Schadenhöhe festgelegt, bis zu dieser keine Erstattung erfolgt. Übersteigt die Gesamtschadenhöhe diese festgelegte Summe, wird der Schaden vollständig ausgeglichen (z.B. Transportversicherung).

 

AUS DER PRAXIS

Kürzlich entschied das Landgericht Berlin einen Fall zugunsten des Versicherungsnehmers. In den Versicherungsbedingungen stand eine nicht eindeutige Formulierung:

„Abweichend von den §§ 24, 25, 26 und 31 VHB verzichten wir bei Schadenfällen bis zu einer Schadenhöhe
von bis zu 2.500 Euro auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit in der Form, dass wir von der in diesen Vorschriften genannten Quotenregelung in Bezug auf die Leistungskürzung keinen Gebrauch machen.“

Es kam zu einem Schaden und die Versicherung vertrat eine andere Auffassung vom Eigenanteil wie der Versicherte. Man kann den Satz entweder so verstehen (wie der Versicherungsnehmer), dass bis zur Schadenhöhe von 2.500 € vollständig geleistet wird und nur der darüberhinausgehende Schaden gekürzt wird. Oder aber bei Schäden über 2.500 € enfällt eine Entschädigung ganz (Auffassung der Versicherung).

Das Gericht entschied, wenn eine zweifelhafte Formulierung vorliegt, geht die Sache zugunsten des Versicherungskunden aus. Der ganze Fall ist nachzulesen unter http://www.versicherungsjournal.de/versicherungen-und-finanzen/streit-um-verzicht-auf-den-einwand-grober-fahrlaessigkeit-123907.php

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